Unter den 17 diesjährigen Ruderschülern beim Vegesacker Ruderverein war Fritz Benjes mit 88 Jahren mit Abstand der älteste – die jüngste war 25 Jahre.

Vom fünften bis 15. Lebensjahr ruderte Fritz Benjes auf der Lesum in einem Arbeitsboot, ein sogenannter Nachen.  Vom 15. – zum 85. Lebensjahr segelte er und in diesem Jahr hat er mit 88 Jahren beim Vegesacker Ruderverein in der Ruderschule das Rudern gelernt.

Wie kommt man auf eine solch verwegene Idee und vor allem: Wie schafft man das in diesem Alter?

Sportlich war Fritz Benjes schon immer: Seit der Kindheit schwimmt er regelmäßig in der Lesum, früher am Strandbad an der Ihlemündung, wo er noch immer in seinem Elternhaus wohnt, heute vom Steg aus vor dem Deich. Regelmäßig begegnen die Ruderer ihm dort. Als Kind konnte er enorm gut klettern, jetzt steigt er noch in die Obstbäume seines idyllischen Gartens. In seinem Beruf beim Katasteramt verbrachte er die Hälfte der Arbeitszeit im Gelände und legte weite Strecken beim Landvermessen zurück. Durch familiäre Kontakte nahm er schon seit Jahren am Hallensport des Rudervereins teil – Dehnung, Kräftigung, Beweglichkeit – hier steht er den z.T. 40 Jahre Jüngeren in nichts nach.

Als im vergangenen Jahr seine Frau Erika starb, motivierte ihn sein Sohn Marten, der schon viele Jahre , inzwischen in der Masters Abteilung rudert, doch mal im vereinseigenen Kirchboot mit zu rudern. Hier gibt es 14 Ruderplätze und es kommt noch nicht so sehr auf Technik an. Auch die rudernde Enkelin Nele ermutigte ihn. Dann wurde er gebeten, den Mastersachter zu steuern. Die Mannschaft trainierte für eine Regatta in Basel und brauchte einen erfahrenen Steuermann.

Fritz Benjes hatte Blut geleckt und als die Ruderschule unter Petra Dirlam und Andreas Liesenhof startete, meldete er sich an. Nun galt es, die nicht ganz einfache Rudertechnik zu erlernen, angefangen vom Einsteigen und vom Steg abstoßen – hier half ihm seine Gelenkigkeit – bis hin zum Rollen auf dem Rollsitz und dem Drehen der Skulls. Petra Dirlam berichtet, dass er es ausgesprochen gut meisterte und immer gut gelaunt war.

Neben der körperlichen Aktivität hält Fritz Benjes sich geistig fit. Seine berufliche Kompetenz bringt  er im Vorstand des Wasserverbandes ein. Er hat immer Interesse an Neuem und möchte wissen, wie Dinge funktionieren. Er möchte Details begreifen.

Als umerzogener Linkshänder hat Fritz Benjes es verinnerlicht, durch Beobachtung,  Anpassung,  und geistig bewusster Nachahmung,  zu lernen. Das half ihm auch beim Erlernen der nicht ganz einfachen Rudertechnik.

So absolvierte er erfolgreich die Ruderschule und ist inzwischen fester Bestandteil einer Rudergruppe, die sich am Dienstagmorgen trifft. Je nach Strömung rudern sie bis zur Burger Brücke oder Autobahnbrücke. Dabei ist Fritz Benjes nicht nur ein gern gesehener Ruderer sondern, mit seiner Seglererfahrung, auch ein gefragter Steuermann.

Auch die anderen Ruderschüler:innen beendeten den Kurs erfolgreich und sind nun fast alle aktive Ruderer.