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Doro Buhlmann

Corona könnte so langsam mal vorbei sein – das denkt sicher jeder. Gleichzeitig sorgt das Virus immer wieder für neue kreative Ideen, lieb gewordene Gewohnheiten neu zu denken. Dazu gehört das Sommerfest des Vegesacker Rudervereins. Drangvolle Enge im Vereinshaus – undenkbar. Also ließen sich die beiden Festwartinnen Maike Rebettge und Ruth Schilling etwas Neues einfallen: Klangvolles Rudern. Das Fest fand nicht im Verein statt, sondern in überschaubarer Teilnehmerzahl in Booten auf dem Wasser, begleitet durch hörenswerte Konzerte an mehreren Stationen.

Schon das zu Wasserlassen wurde musikalisch untermalt. Trainer Wolfgang Kiupel und seine Frau Karin spielten auf Gitarre und Klarinette auf dem Steg, während ein 2er, ein 3er, ein 4er und das Kirchboot in die Lesum glitten, Riemen bzw. Skulls eingelegt wurden. Ein weiteres Boot startete im Lesumer Yachthafen: Die Barke Neptun. Insgesamt waren 35 Ruderer und Ruderinnen bei strahlender Sonne gestartet. Das Manövrieren der Neptun im Hafen kostete etwas Zeit. So verpasste deren Mannschaft die nächste musikalische Einlage: In der stillen Bucht hatte sich das Kirchboot ins Schilf gelegt, die anderen Boote Anker geworfen, um Karin Kiupels sanften Klarinettenklängen zu lauschen. Das Trainerboot war die Bühne. Die Ruderer schwärmten von dieser besonders romantischen Stimmung.

Weiter wurde mit dem auflaufenden Wasser die Lesum Richtung Burg gerudert. Der Himmel verdunkelte sich und das nächste Minikonzert fand während eines heftigen Platzregens statt. Das störte die Musiker aber nicht. Gut beschirmt sangen sie fröhlich zur Klampfe, die Ruderer raschelten zur Begleitung mit ihren Regensachen, die schnell übergeworfen wurden.

Ziel der Fahrt war das Schöpfwerk in Wasserhorst. Die Strömung ließ nach, der Regen hatte aufgehört. Während des Stauwassers wurden die Boote vor der dortigen Aussichtsplattform vertäut Es warteten schon allerlei Menschen an Land. Maike Rebettge verteilte Provianttüten, mit dem Hinweis: „Bitte nicht teilen – ihr wisst ja: Corona!“ Ein Gruppe formierte sich mit vorschriftsmäßigen Abständen– es war der Chor „Zwischentöne“. Chormitglied und Wanderruderwart Dirk Eckelt hatte den Auftritt arrangiert. Doch bevor Chorleiter Karsten Machinek den ersten Auftakt gab, sprach Vorstand Uwe Vielstich vom Kirchboot aus Begrüßungsworte für dieses besondere Event.

Nun konnte ein Konzert der besonderen Art beginnen. Der Chor sang schmissige Lieder, aus Folk, Pop und Swing, so mitreißend, dass die Boote sanft im Takt schaukelten. Es gab Applaus und Zugabe vor dem nächsten Highlight: Als der Festausschuss ihn einlud, wussten sie noch nicht, dass der Junge inzwischen rapide an Bekanntheitsgrad gewonnen hatte: Lukas Wulff, 14 jähriger Scharmbeckstoteler Trommler hatte gerade einen Auftritt in der ZDF Show „Einfach super“ hinter sich und viele Nordbremer hatten den Artikel in der „Norddeutschen“ über ihn gelesen. Mit seinem Percussion Auftritt beeindruckte er nicht minder auch diese Zuschauerschar.

Ibrahim Gunbardhi trat danach mit Saxophon auf und verzauberte die Zuhörer mit seinen Klängen, die über die Lesum schwebten und das Rauschen der Autobahn übertönten. Die Improvisationen begeisterten das Publikum zu Wasser und an Land.

Schlusspunkt des Konzertes setzte der VRV eigene Chor der Moorchorbrüder, hartgesottene Ruderer, die jedes Jahr im November ins Moor rudern und dort nicht nur singen. Sie gaben ihren „Corona und Moor Song“ zum Besten. Inzwischen war die Tide umgeschlagen, die untergehende Sonne zeichnete mit den Wolken einen malerischen Abendhimmel. Die Tampen wurden eingeholt, die Boote legten ab und die Sportler*innen ruderten sich mit kräftigen Zügen warm Richtung Heimat. Dort wartete der Vereinswirt Udo Schmidt mit gegrillten Würstchen und Kartoffelsalat und Bier, was Corona gerecht auf Abstand ausgegeben und verzehrt wurde. Beseelt von den wunderbaren Eindrücken ließen die Ruder*innen den Abend ausklingen.