Das Wetter wird am Steg gemacht

Die Hammenixen des Vegesacker Rudervereins auf ihrer alljährlichen Fahrt nach Worpswede

 

Die Frauenfahrt des Vegesacker Rudervereins ins Teufelsmoor hat eine lange Tradition. 2010 übernahm Karin Cappelmann die Organisation von Maren Homburg. Fast sah es so aus, als würde die beliebte Tour, wie viele andere Wanderfahrten wegen Corona ausfallen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und so meldeten sich 10 Frauen zur Fahrt an, auch auf die Gefahr hin eine Anzahlung für die Übernachtung nicht zurück zu bekommen.

Der Optimismus zahlte sich in jeder Hinsicht aus. Nach Wochen hochsommerlichen Wetters war für das geplante Wochenende Regen angesagt. Doch bei den Ruderern wird das Wetter am Steg gemacht. Die Regenwolken am Freitag verzogen sich, als 10 Frauen die 2 Vierer mit ihren Seesäcken, Pickhaken, Tampen und Proviant beluden. Die Tour ist immer offen für alle Frauen des Vereins. Im letzten Jahr waren auch Anfängerinnen dabei, diesmal waren es erfahrene Wanderruderinnen und durchtrainierte Mastersruderinnen. Mit Strom und Wind war man schnell an der Ritterhuder Schleuse.

Danach ging es ohne Strömung weiter auf der Hamme, Pinkelpause und Steuerfrauwechsel im Ruderverein Osterholz Scharmbeck, schnell wieder in die Boote, denn in Neu Helgoland war für den Abend ein Tisch bestellt. Alle genossen die Schönheit der Landschaft und das Plaudern im Boot – man hatte sich ja in diesem besonderen Jahr noch kaum gesehen. Nach 3 Stunden strammen Ruderns war die Zugbrücke von Neu Helgoland in Sicht. Neugierige Blicke der Gäste im Lokal beobachteten, wie die Damen galant unter der Brücke durchglitten. Am Strändchen des Campingplatzes war viel los. Kinder plantschten im Wasser. Die Steuerfrauen dirigierten die Boote behutsam ans Ufer, die Ruderinnen hüpften über die Bordwand ins Wasser, nahmen die Skulls aus den Dollen, trugen das Gepäck an Land, fanden trotz vieler Badegäste einen Liegeplatz für die Boote an Land und erfrischten sich mit einem Bad in der Hamme. Glücklich ließen sie den Abend bei wunderbarem Sonnenuntergang über dem Teufelsmoor, bei Bier und Bratkartoffeln ausklingen um dann den Weg zur Jugendherberge anzutreten. Dort war außer den Ruderinnen nur noch eine Gruppe junger Volleyballerinnen untergebracht.

Auch am nächsten Tag war Petrus wohl gestimmt. Die Mannschaften mischten sich neu, das Ziel war Viehspecken. Erste Rast war Schameika, ein verlockendes Gasthaus, auch mit Übernachtungsmöglichkeit, kurz danach die selbst zu betätigende Schleuse – immer wieder eine kleine Herausforderung. Zum Glück war das Tor auf – vorsichtig wurden die Boote hinein manövriert, 2 Frauen kletterten die Leiter hinauf und betätigten durch kräftiges Kurbeln die Schleusentore, welche die Durchfahrt zum idyllischsten Teil der Tour öffneten: Die Hamme schlängelt sich hier entlang des üppig bewachsenen Ufers, Weiden, die ins Wasser ragen, von Schmetterlingen umschwärmte Stauden, immer dichter werdende Gräser im Wasser. Die Steuerfrau musste achtsam sein. So zugewachsen wie dieses Jahr war es noch nie. Ein Torfkahnschipper erklärte die Ursache: Das Gras muss immer wieder gemäht werden und wächst dann umso mehr nach. Kurz vor der Schleuse Viehspecken machten die Frauen ihre Boote an Holzpfählen fest, kletterten behände an Land und ließen sich zu Picknick und Siesta nieder. Die WetterApp kündigte ab 16h Regen an – also hieß es bald: Zurück in die Boote. Nun gab es z.T. ordentlichen Gegenwind. Kräftig traten die Frauen ins Stemmbrett. Es wurde schwül. Schon einmal waren sie auf dieser Strecke in ein Gewitter geraten. Da es am Ufer kaum Gelegenheiten zum Anlegen gibt, muss man das Wetter immer gut im Blick haben. Diesmal ging alles gut: Noch schien die Sonne bei Ankunft in Neu Helgoland und die Hamme lockte noch zum Bad. Kaum zurück in der Jugendherberge begann es zu Schütten und für den Gang zum traditionellen Flammkuchen in Worpswede kamen die Regenjacken zum Einsatz.

In der folgenden Nacht war die Gruppe alleine in der Jugendherberge – das hatte es auch noch nie gegeben. Statt 4er Zimmer gab es Einzel und Doppelzimmer –Hygiene Regeln, mehr Arbeit, weniger Gäste – wie schaffen das die Jugendherbergen?

Am folgenden Sonntag hieß es für die 10 Frauen bei weiter strahlendem Sonnenschein aber gegen strammen Westwind mit z.T. 6-7 Windstärken nach Hause zu rudern. Gestärkt durch ein wunderbares Wochenende bewältigten sie diese Anforderung problemlos und ließen es erschöpft aber glücklich im Vereinsheim bei Kaffee und Kuchen ausklingen. Bald setzte kräftiger Regen ein – mal wieder hatte sich bestätigt: Das Wetter wird am Steg gemacht.