von Klaus Sieg

Fleißige Hände hatten das Bootshausgelände unter Tommy Degeners Leitung gründlich aufgeräumt. Ein Achter, zwei Vierer und drei Einer landeten fein säuberlich in handliche Stücke zersägt auf Nimmerwiedersehen in einem Abfallcontainer. Autoreifen, Pappen, verrostete Metallteile, Holzstücke und im Winter angefallenes Laub füllten den nicht ganz billigen Mischbehälter. Alle Rasenkanten waren auf ihre Ausgangsgröße zurückzustechen. Mit Hilfe eines Hochdruckreinigers galt es, den Holzbelag der Anlegerbrücke von Moos und Flechten zu befreien. Sogar die beiden Werkstatttore strahlen frisch gestrichen in einem kräftigen Königsblau. Das Anrudern konnte kommen.

Fast pünktlich sammelten sich wohl 100 Ruderinnen, Ruderer und Gäste unseres Vereins auf dem Bootshausvorplatz. Zwei Hauptstädter hatten die lange Reise von Berlin nach Vegesack gewagt. Zwei nagelneue Boote warteten in ihren Böcken auf ihre Taufe. An jedem Bug leuchtete ein buntes Blumengesteck.  Blendenweiße Tücher verhängten noch die Namen der Boote. In Vertretung unseres Vorsitzenden Uwe Vielstich – der flog in geschäftlichen Angelegenheiten in Ostasien rum – begrüßte Bärbel Walter, unsere Stellvertretende Vorsitzende, die bunte Anrudergesellschaft.  Allen wünschte sie eine erfolgreiche, erlebnisreiche und möglichst verlustarme Saison 2017.

Die beiden ungetauften Boote warteten ungeduldig auf ihre Namen. Zunächst kam das blaue Boot an die Reihe: ein B-Doppelvierer mit Steuermann der Bootswerft Rehberg. Die Taufe auf den Namen „LESMONA 3.0“ vollzog Herr Robert Rennie von der Jacobs University Bremen (JUB). Dieser Vierer wurde als Ersatz für den bei einer Havarie zwischen der Vegesacker Fähre und der unterlegenen „Lesmona II“ angeschafft. Die Kosten teilten sich die JUB und der VRV. Weiterhin weist der Name darauf hin, dass es sich hier um das dritte Vereinsboot handelt, das diesen Namen trägt.

Herr Sebastian Behrje, Prokurist der Firma Kloska GmbH, taufte einen kombinierten Riemenzweier/Doppelzweier auf den Namen „Game Boy“. Eine großzügige Spende ermöglichte den Kauf dieses Bootes. Die Bootswerft Empacher baute das wunderschöne gelbe Rennboot. Herr Behrje beschloss seine Taufrede mit dem Wunsch, dass das neue Boot immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben möge.

14 Boote mit 68 Ruderinnen und Ruderern – allein im Kirchboot „Eisbrecher“ ruderten 15 Frauen und Männer – machten sich auf zum Bootshaus des Segelclub Niedersachsen Burg. Unsere Seglerfreunde hatten am Tag zuvor die Steganlage heraus gebracht. 85 Hungrige aßen an langen Tischen ihre Erbsensuppe. Wer mochte, konnte sich hinterher noch Kuchen an der Theke reichen lassen. Neben dem obligatorischen Kaffee und anderen nichtalkoholischen Getränken gingen auch Gläser voller Bier über den Tresen. Natürlich wurde auch das eine und das andere Gläschen Burger Schluck verlangt.

Gegen 15 Uhr schlug das Wasser um. Und, oh Wunder, bereits eine halbe Stunde später stach das Kirchboot vollbesetzt in den Fluss.  Kurz darauf folgte als letztes „erwachsene“ Boot die „Set di dör“. Nur die jungen Leute hielten noch drei Boote zurück. Sie wollten noch ein wenig bleiben.

Zwei große Vereinsfahnen und die blaue Ruderverbandsflagge mit dem  von  goldener Bordüre umrandeten schwarzen Bundesadler  – diese dreieckige Fahne gab es zum 100. Vereinsgeburtstag – begrüßte die heimkehrenden Boote. Noch lange genossen die Ruderinnen und Ruderer die schon wärmende Sonne auf dem Balkon des Bootshauses. Eine Stunde vor Sonnenuntergang schleppten dann auch die drei ausstehenden Mannschaften ihre Boote in die Lager.