von Lion Tautz

Nachdem ich vom 7. bis 23. März wieder daheim bei uns im VRV trainiert habe, während in Kanada Ferien waren, bin ich jetzt wieder in Amerika, und es hat nicht lange gedauert bis zur ersten Regatta. Mit nur drei Trainingstagen zwischen den Ferien und dem Start der Rennen wollten wir einen Doppelvierer zusammenstellen, der in der Lage dazu war, bis zu sieben Rennen in zwei Tagen über die Sprintdistanz von 1000m erfolgreich zu absolvieren. Das Wetter spielte leider nicht mit, und so reisten wir am 28. März in Victoria zur Duelling over a Grand Regatta an, ohne den Doppelvierer je gefahren zu haben. Unsere Mannschaft bestand, von Bug nach Schlag, aus einem Österreicher, der erst im Januar mit Rudern, und vor einer Woche mit Skullen angefangen hatte, einem Leichtgewicht, dass sich vor zwei Monaten die Hand gebrochen hatte und Grund dessen für sechs Wochen ausgefallen war, einem Australier, der aufgrund von Rückenproblemen für den letzten Monat invalide gewesen war, und mir. Außer unseren Ergozeiten sprach nichts für uns, aber wir scheuten die Herausforderung nicht und begaben uns frohen Muts zu den Rennen.
Duelling over a Grand ist vergleichbar zu der Royal Henley Regatta in Großbritannien im KO-Duell-System aufgebaut. Allerdings ist Duelling ein wenig verzeihender, da jedes geschlagene Boot eine zweite Chance bekommt, und dann auch immer noch eine Chance auf den Sieg hat.
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Unser erstes Rennen war am Morgen des 28., und diente auch gleichzeitig als unser erstes Mal zusammen in einem Boot. Auf ein neues war uns das Wetter alles andere als gesonnen und wir mussten gegen Wellen kämpfen, die uns vergessen ließen, dass wir uns für ein Rennen aufwärmten. Am Start konnte man die Anspannung in unserem Boot spüren, sie lag greifbar in der Luft. Als das Rennen dann losging, sah es erst einmal so aus als hätten wir uns komplett umsonst gesorgt: Nach den ersten Schlägen schon konnten wir unseren Bugball vor den des gegnerischen Boots schieben, obwohl sie uns bei der Schlagzahl um 10 Schläge übertrafen. Doch dieser Vorsprung sollte nicht lange halten, und das Wetter uns einen weiteren Strich durch die Rechnung machen. Mit einem gewaltigen Ruck kam das Boot plötzlich zu stehen, und als ich mich umdrehte, sah ich einen Skull auf 2 senkrecht in die Luft ragen, was sich während eines Rennens nicht so gehört. Diesen riesigen Krebs machte sich das gegnerische Boot zu Nutze und zog an uns vorbei. Nach einiger Zeit gelang es unserem Skullneuling dann, das Ruder wieder in die Hand zu nehmen, und mit einigen kräftigen Schlägen war das Rennen wie neu gestartet für uns. Mit vier Bootslängen offenem Wasser, sah es schlecht aus für uns, aber wir gaben nicht auf. Und die Anstrengungen lohnten sich, denn noch vor der 500-Metermarke hatten wir die Führung zurück erobert, und gaben diese auch trotz einiger kleinerer Krebse nicht mehr auf. Der Sieg qualifizierte uns für das nächste Rennen, in welchem wir auf unsere größte Konkurrenz stoßen sollten.
Drei Stunden nach unserem ersten Sieg machten wir uns mitsamt Boot erneut auf den Weg zum Steg, um den nächsten Gegner zu attackieren. Nun ein wenig erfahrener, aber mit noch schlechterem Wasser, belief sich das Warmfahren auf einen Schlagaufbau in Paaren. Trotzdem fühlten wir uns dem Rennen am Start gewachsen, da die Wellen jegliche technische Ungleichheiten zwischen den Booten und ihren Mannschaften zunichte machte. Abermals starteten wir mit einer ruhigen Schlagzahl von 30 SPM, und beließen es auch konsequent dabei, als wir sahen, dass wir uns langsam aber sicher Schlag für Schlag einen kleinen Vorsprung erarbeiten konnten. Nachdem auch das zweite Rennen gewonnen und weniger spektakulär über die Bühne gebracht worden war, stand noch ein letzter Zweikampf zwischen uns und dem Finale.
Mit weniger Pause zwischen den Rennen machten wir uns schon kurze Zeit später wieder auf die Socken, um uns ein Ticket für das Finale zu errudern. Endlich hatte der Wind nachgelassen, und das Wasser war einem Spiegel nun wesentlich ähnlicher als einem Faltenrock. Unter diesen verbesserten Umständen lief das Warmfahren gut, und zuversichtlich gingen wir in das Rennen, das sich nur unwesentlich von dem zweiten unterscheiden sollte: Direkt vom Start übernahmen wir die Führung und bauten sie gnadenlos bis zum Ende aus. Diese drei Siege erlaubten uns einen Startplatz im finalen Rennen für die Goldmedaille, welches am Nachmittag des folgenden Sonntags ausgetragen werden sollte, weswegen wir nun Zeit hatten, uns ausgiebig auszuruhen, und andere Rennen zu beobachten.
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Als wir am Vormittag des 29. wieder nach Victoria anreisten, und uns dort nach unserem Finalgegner erkundigten, erfuhren wir zweierlei gutes: Erstens hatte sich das Boot qualifiziert, welches wir schon in unserem zweiten Rennen geschlagen hatten, und zweitens würde das Finale bereits deren drittes Rennen des Tages sein. Vertrauend auf unseren Ergoschnitt von 6:45 gingen wir das Rennen selbstbewusst an, und es entfaltete sich vergleichbar zu den Vorangegangenen. Unsere Technik, allerdings, hatte sich jedes Rennen um ein vielfaches verbessert, und nun mit glattem Wasser spürten wir, was es heißt, ein balanciertes, stabiles Boot zu haben: Vom Start ließen wir keine Zweifel an unseren Siegesambitionen und zogen unserem Gegner davon. Mit einer Zeit von 3:28.67 und einem Vorsprung von 8 Sekunden überquerten wir die Ziellinie. Dieses Ergebnis stellte alles in den Schatten was wir uns erträumt hatten, als wir am Samstag zur Regattastrecke angereist waren, aber die hervorragende Entwicklung des Bootes und der Mannschaft hatte es möglich gemacht. Zufrieden, war es nun nur noch an der Reihe unsere Medaillen einzusammeln, den Hänger zu beladen, und dann zurück zum Internat zu fahren, um ohne Pause weiter zu trainieren für die nächste Regatta, die am Wochenende des 11./12. April abgehalten wird.
Bis dahin, Grüße aus Kanada, Lion