Dorothee Wolter-Buhlmann

Samstag 11h am Sportparksee: Der Himmel verhangen, 15 Grad, steife Brise aus Nordwest. Ein paar verfrorene Gestalten stehen am Ufer – Eltern, die das Treiben auf dem Wasser beobachten. Dort allerdings könnte man meinen, es sei schönstes warmes Sommerwetter. Mehrere Einer und Zweier sind auf dem See, werden mehr oder weniger sicher hin und her gerudert, verkeilen sich hier und da oder landen im Schilf, weil der Wind sie dorthin schiebt, dazwischen Kinder, die schwimmend ihren Kamerad*innen aus der misslichen Lage helfen, man sieht Gleichgewichtsübungen stehend im Boot und reihenweise Boote kentern.


Das ist gewollt – denn auch das Einsteigen will geübt sein. Manch eine*r macht dies sicher und geschickt, hält beide Skulls vom Wasser aus fest auf einer Höhe, zieht sich auf das Heck und rutscht auf behende auf den Rollsitz – andere mühen sich und fallen immer wieder rein. Dabei scheinen die Kinder die Kälte nicht zu merken. Sie schlottern zwar, wenn sie aus dem Wasser kommen, trocknen sich ab, essen was und dann geht´s ab nochmal in Boot.

Die beiden Trainer Ulli Temme und Kathrin Baumgart haben dieses gemeinsame Training der Leistungs- und Kinderabteilung angesetzt, um die Sicherheit und Technik im Boot zu fördern, was auf dem See gefahrlos möglich ist. 20 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 – 17 Jahren sind dabei. Die schon erfahrenen Leistungsruder*innen unterstützen die jüngeren aus der Kindergruppe, die teilweise schon erste Erfahrungen auf Regatten gesammelt haben sowie 3 Mädchen, die erst zum zweiten Mal überhaupt im Boot sitzen. Neele Benjes, eine der älteren und erfahrenen paddelt im Schlauchboot zwischen den Skiffs und gibt Tipps. Christine Ruff ist eigentlich Leistungsschwimmerin, ihre Klassenkameradin Skena Reinhard, deren ältere Schwester Smilla Leistungsruderin ist, hat sie motiviert mitzumachen. Als Christine durchnässt und zitternd aus dem Boot steigt, könnte man meinen, dass sie davon erstmal genug hat, doch nicht viel später legt sie mit Skena, die auch nicht trocken geblieben war, nochmal im Zweier ab. Es sieht schon gut aus, wie die beiden über das Wasser gleiten – und diesmal bleiben sie trocken. Emma Berndt– mit 11 Jahren eine der jüngsten wird in Ufernähe von Kathrin Baumgart angeleitet.

Seit gut 1,5 Stunden steht diese hüfttief im Wasser, hilft den Anfänger*innen beim Einsteigen, hält das Boot und leitet an: Hände auf einer Höhe, das ist das Wichtigste, denn sonst kippt das schmale Boot ganz schnell, die Blätter nicht zu tief im Wasser durchziehen, Rudern ist eine sehr komplexe Bewegung. Merle Freundt, die mit ihrer Zwillingsschwester Mirja rudert, kommt triefend und strahlend aus dem Wasser: „Ich bin nicht reingefallen – ich habe nur jemandem geholfen“. Es ist deutlich: Hier geht es nicht nur um Sport und Training, hier geht es um ein Gemeinschaftsgefühl und Spaß. Den scheinen auch die Trainer zu haben. Zum Ende steigt auch Kathrin Baumgart in den Einer, macht ein paar Schläge und …kippt um – wenn das mal nicht Absicht war? Nun heißt es: Boote aus dem Wasser holen abriggern und in den Containern verstauen. Das Drumherum beim Rudern erfordert Zeit, Ordnung und Verantwortung für das Material – beachtlich, wie gut gelaunt die durchgefrorenen jungen Leute hier bei der Sache sind. Das Wetter scheint hier Nebensache zu sein.