von Doro Buhlmann

Vermutlich hat Maren Homburg im Himmel ein paar Wolken verschoben, damit ihr Enkel trockenen Hauptes den neuen Doppelzweier ihr zu Ehren auf den Namen „Stille Bucht“ taufen konnte.
Es war eine ganz besondere Taufzeremonie am Sonntagmorgen, die eigentlich schon beim Anrudern hätte stattfinden sollen. Doch Corona verhinderte dies. Nun galt es aber, den neuen Doppelzweier der Spitzenklasse und den Doppelvierer, der eigens für die Kinderabteilung gespendet wurde, zu taufen, damit sie endlich auch gerudert werden können. Deshalb lud der Vorstand zu einer Rudertaufe unter Corona-Bedingungen ein. Ein ausgewählter, kleiner Kreis, alle mit Mundschutz und die Abstandsregeln einhaltend, gruppierte sich um die beiden blumengeschmückten Rennboote.
Uwe Vielstich begrüßte die Runde und erklärte diesen außergewöhnlichen Rahmen. Eine solch intime Taufe ohne Ankündigung in der Rudergemeinde hatte es noch nie gegeben – doch umso feierlicher und bewegender war sie. Nicht zuletzt deshalb, weil der jüngste Taufpate, der je ein Boot getauft hatte, der 10jährige Neo Homburg, in seiner beachtlichen Ansprache seine Oma würdigte: 60 Jahre war Maren Homburg eng mit dem Verein verbunden, ruderte auf Regatten und unzähligen Wanderfahrten. In der Stillen Bucht – dieser idyllische Ort unterhalb der Jünglingshöhe, den offenbar nur Ruderer unter diesem Namen kennen – machte sie gerne „Ruder halt“. Zu Konzerten des Sommers in Lesmona organisierte sie Picknick-Touren dorthin, wo die Damen groß behütet stilvoll im Schilf lagen und der Musik lauschten. Maren hat sich von oben sicher über Hinni, ihre Söhne Niels und Hanke und ihre Enkel gefreut, wie sie gemeinsam diese Taufe erlebt haben.
Das zweite Boot, ein Leichtgewichts-Renndoppelvierer mit Steuermann, eigens für die Kinderabteilung, wurde von Brunhilde Osthus getauft. Sie brachte ihre Begeisterung für die lebendige Kinder- und Jugendabteilung des VRV zum Ausdruck – der Garant eines gesunden und funktionierenden Vereinslebens, denn ohne die Jugend gäbe es keinen Nachwuchs. Der Name „High Five“, von der Jugend so gewählt, sei ihr eigentlich fremd, doch High (im Sinne von siegreich) sei auf jedenfalls wünschenswert und Five – also 5 im Boot,sei passend. Da sie nun wisse, dass der Name für ein jugendliches Begrüßungsritual steht, freue sie sich umso mehr, es auf diesen Namen zu taufen – zumal der Gruß Corona gerecht ist. Außerdem freue es sie und ihren Mann Volker, dass dieses Boot den Kindern nicht von Erwachsenen streitig gemacht werden kann – denn die wären zu schwer dafür.
Nachdem beiden Booten allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel gewünscht worden war und Uwe Vielstich sich ausdrücklich bei den Spendern bedankt hatte, reichten Ruth Schilling und Uschi Gittner Sekt, Saft und Süßes. Ein bisschen wurde geplaudert, dann aber drängte es die jungen Ruder*innen und ihre Trainer Ulli und Kathrin, die neuen Boote ins Wasser zu bringen. Glücklich und hochzufrieden ruderten sie ihre ersten Bahnen auf der Lesum.

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