Junioren WM RotterdamNach der Junioren-EM in Litauen ging es für Luise Asmussen ins Trainingslager nach Berlin-Grünau. In vier harten Wochen und mit etlichen Leistungstests, konnte sie ihren Platz im Doppelvierer der Juniorinnen endgültig sichern.
In der lezten Woche ging es mit dem Nationalteam nach Rotterdam und am Mittwoch startete Luises Vierer mit dem Vorlauf in den Wettbewerb. Mit einem zweiten Platz im schnellsten Vorlauf, knapp hinter den Chinesinnen, qualifizierten die Vier sich direkt für das Halbfinale am Samstag. Dort haben sie hinter den sehr starken Britinnen den zweiten Platz belegt und sind mit diesem Ergebnis sicher in das Finale eingezogen.
Im Finale ist der Vierer um die Bugfrau Luise Asmussen nicht als klarer Goldfavorit an den Start gegangen. Die Britinnen stellten das vermeintlich schnellste Boot, das allerdings im Halbfinale vom deutschen Nachwuchs noch knapp verfolgt worden war. Eine hell glänzende Medaille war daher das erklärte Ziel der Deutschen. Im Finale drückten Luise & Co. sofort aufs Tempo und legten sich mit einem fulminanten Startspurt und zur Überraschung der Konkurrenz eine halbe Länge vor Großbritannien und das Feld. Im Rennverlauf wurde es zwar wieder etwas enger, auf klarem Medaillenkurs und vielleicht sogar auf dem Weg zum Überraschungstitel passierte aber das wohl größte anzunehmende Unglück: Bei extrem unruhigem, welligen Wasser und starkem Seitenwind blieb eine Sportlerin im Mittelschiff mit ihrem Ruder am Wasser hängen. Das Ruderblatt verhakte sich im Wasser, stoppte das Boot und der Karbonschaft des Ruders brach durch. Mit nur noch drei Ruderinnen war es kein Wettkampf mehr. Und es blieb schließlich nur der sechsten Rang. Im Bruchteil einer Sekunde waren alle Medaillenträume geplatzt. Ob es am Ende zum Titel gegen die Chinesinnen, die auf der zweiten Streckenhälfte bestechend stark die Engländerinnen überspurteten und klar zum Sieg fuhren, gereicht hätte, war für die Athleten gar nicht das Wichtigste. Dass Luise sich nach einer langen und auch sehr fordernden Saison zum Höhepunkt nicht mit einem ordentlichen Ergebnis belohnen konnte, war für die Vegesackerin viel trauriger. Statt der sicheren Erfolge bei den Leichtgewichten hatte sie sich für den Start in der offenen Gewichtsklasse entschieden, weil es der einzig mögliche Weg zur WM war. Mit Steigerungen bei jeder wichtigen Wertungsregatta kämpfte sie sich zur deutschen Meisterschaft und in die Nationalmannschaft, wurde mit dem Auswahlboot nach dreitägiger Vorbereitungszeit Europameisterin und musste dennoch in den folgenden Trainingslagerwochen fast bis zum Ende um ihren Platz im Boot kämpfen. „Es ist extrem schade, dass das mit dem Krebs im Vierer passiert ist“, meinte Landesruderverbands-Präsident Redelf Janßen, der in Rotterdam vor Ort war. Einer bisher traumhaften Ruderkarriere mit DM-Titeln, der Europameisterschaft und einem Ergo-Weltrekord blieb der erhoffte Höhepunkt einer WM-Medaille versagt – vorerst, wie Redelf Janßen und die Bremer Ruderer hoffen.
Fotos von Oliver Quickert und Redelf Janssen: Bilder

Text: Sören Dannhauer, Johannes Höweler und Christoph Bannert