von Lion Tautz

Seit Anfang der 9. Klasse (jetzt bin ich in der 10.) gehe ich in Kanada auf ein Internat, die Brentwood College School (www.brentwood.bc.ca). Hier an der Westküste Amerikas trainiere ich das Jahr über und fahre zu Regatten, mit dem Ziel am Ende der Saison zurück in der Heimat an den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften teilzunehmen. Für unsere Vereinswebseite werde ich jetzt regelmäßig Artikel schreiben über das Training und die Regatten, um euch einen Einblick zu geben wie Rudern am anderen Ende der Welt abläuft.

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Am Samstag den 31. Januar hat meine Schule das ErgFest, einen Ergocup, veranstaltet. Jedes Jahr fahren wir und unsere Partner-/Rivalenschule Shawnigan Lake School (www.shawnigan.ca) auf den Ergos aus, wer besser ist und hoffen, dass die Ergebnisse eine gute Prognose für die Rennsaison abgeben. Alle Alters- und Leistungsklassen treten zum Vergleich an, von Kindern (13/14 Jahre), die noch nie vorher gerudert haben, über 1000m, bis hin zu den erfahrenen A-Junioren, von denen einige ihr Land bei der diesjährigen Juniorenweltmeisterschaft in Hamburg vertraten, über die Standarddistanz von 2000m. Ich als B-Junior wurde für 1500m gemeldet, mit einem relativ kleinen Meldefeld, da momentan viele meiner Mannschaftspartner verletzt sind. Die Aufregung lag in der Luft, als die ersten Rennen gestartet wurden, und je näher mein Lauf kam, desto weniger wollte ich hier sein. Sorgfältig hatte ich mir am Vorabend einen Rennplan zurechtgelegt und mir auch schon einen meiner Freunde organisiert, der neben dem Ergo sitzen sollte um sicherzugehen, dass ich mich auch ja dran halte. Um 3 Uhr nachmittags war es dann endlich soweit. Nervös setzte ich mich hin, und warf kurze Blicke nach links und rechts auf meine Konkurrenz. Wir wurden aufgefordert, das Rudern einzustellen und warteten auf das Kommando zum Start. Ein letztes Mal versuchte ich, mich an meinen Plan zu erinnern. Doch schon war es zu spät, das Signal ertönte und los gings. Direkt auf den ersten Schlägen konnte ich mich absetzen. Dadurch konnte ich von vorne mein eigenes Rennen fahren und mein Plan schien aufzugehen. Die ersten 1000m verliefen genauso wie sie sollten, und ich fühlte mich gut. Aber als nach Plan für die letzten 500m einen Sprint einzulegen war, wollte mein Kopf nicht mehr mitspielen. Blockiert von mir selbst, konnte ich meinen Vorsprung zwar nicht weiter ausbauen, aber trotzdem den Sieg einfahren, womit wir eine 100% Siegesquote in diesem Jahr für Brentwood perfekt machen konnten.

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Am Ende blieb ich mit 4 Minuten und 52 Sekunden (1:37.3) 7 Sekunden hinter meiner Zielzeit von 4:45.0 (1:35) zurück. Statt das jetzt aber in Enttäuschung enden zu lassen, motiviert mich das nur dazu noch mehr zu trainieren. Heute, einen Tag später habe ich mich schon wieder aufs Ergo geschwungen und trainiere jetzt fleißig für die nächste Regatta, die am 14./15. Februar stattfindet. Da werde ich am Samstag im Achter und Doppelvierer über 2,5km und am Sonntag im Einer über 7000m antreten. Ein Bericht wird folgen, bis dahin sportliche Grüße aus Kanada und auf Wiederlesen.