In diesem Jahr schon am 30. November – die Tidenzeiten ließen einen Dezembertermin nicht zu – versammelten sich Punkt 10 Uhr achtzehn unerschrockene Ruderer des VRV zum traditionellen Nikolausrudern der MAG im Verein. Nach einem stürmischen regengussreichen Freitag hatte Petrus am Sonnabend die himmlischen Schleusentore geschlossen. Unser Eisbrecher konnte kurz vor dem Hochwasserzeitpunkt auf der gefällelosen Brücke ohne die sonst üblichen „Rödeleien“ problemlos zu Wasser gebracht werden, nachdem die zahlreichen Boote mit den jugendlichen Trainingsruderern des Vereins und der Jacobs-University uns Platz gemacht hatten. Viele von uns „alten Säcken“ erinnerten sich mit Wehmut an ihre eigene Jugendzeit, in der die Kraft ihrer Körper noch unbändig war. Trotzdem kann sich die Fitness unserer Teilnehmer sehen lassen. Zusammen mit dem Wandervierer „Miese“ brach das Kirchboot gen Ochtum auf. Nach harter Ruderarbeit gegen den Strom in der Lesum ging es mit der starken Strömung auf der Weser erholsam zur Ochtummündung.

Die ersten blauen Flecken am Himmel kündeten von dem prophezeiten kurzen Zwischenhoch, und einige Sonnenstrahlen, die den Weg zum Weserwasser fanden, ließen das Rot unserer Rettungswesten und Nikolausmützen hell erstrahlen. Der übliche erste gesellige Schluck in den Booten fiel wegen logistischer Fehlleistung einiger Kameraden, die sonst unaufgefordert diesen Part übernahmen, aus. Im nächsten Jahr wird diese Aufgabe rechtzeitig an einen Teilnehmer übertragen. Nach telefonischem Kontakt mit dem Schleusenwärter des Ochtumsperrwerks schleusten wir auf Ochtumwasserniveau herab. Beim Öffnen des ochtumseitigen Schleusentores entboten wir dem Schleusenwärter einen kräftiger Rudererdankesgruß und legten die letzten Meter zum Segelverein Ochtum zurück. Nach perfektem Anlegemanöver und obligatorischem Gruppenfoto bei strahlendem Sonnenschein begrüßten uns im Segelverein die Obleute Hermann und Dirk, die hoffentlich wie alle anwesenden Ruderer auch noch lange die Tradition der Nikolausfahrten werden fortsetzen können. Unser Musikant Helmut Schriefer und unser MAG-Ältester Rolf Rockmann erwarteten uns schon, so dass das von Hinni organisierte „kalte Buffet“ eröffnet werden konnte. Das leckere Schroty-Brot wurde zusammen mit den köstlichen Wurstwaren und dem Käse auf dem Weg gen Magen durch den einen oder anderen Schluck Bier begleitet.

Mit offensichtlicher Begeisterung ließ Helmut die Finger auf seinem Schifferklavier „tanzen“, und wir begleiteten die uns bekannten Lieder mit nicht immer gekonntem, vielstimmigem Gesang. Palaver und Gesang wurden mit Hinnis Aufforderung „Last Order“ schließlich beendet, denn wir wollten den Ruderverein noch vor Einbruch der frühen Dunkelheit erreichen. Wir dankten Hermann und Dirk vom Segelverein herzlichst, und kurz nach 14 Uhr brachen wir auf. Das Ablegemanöver gestaltete sich schwierig, denn dem Rudererwunsch „Riemen- und Dollenbruch“ wurde reichlich Tribut gezollt: Zwei Backbordriemen zersplitterten. Trotz Überzahl der Steuerbordruderer musste der Steuermann nicht gegensteuern. Die Schlussfolgerung daraus möge jeder Leser dieser Zeilen selbst ziehen.

Den Ruderverein erreichten wir am frühen Nachmittag zu einem Zeitpunkt, an dem die Trainingsleute ihr sonnabendliches Programm gerade beendeten. An der Theke im Vereinsheim wurde ein letztes gemeinsames Getränk eingenommen. Mit dem Dank an Hinni und dem Wunsch einer nächsten gelungenen Nikolausfahrt am 06. Dezember 2014 fand die diesjährige Nikolausfahrt ihr Ende.

 

Volker Osthus