König Thorsten Kehlenbeck hatte seine Untertanen und einige Gäste gerufen und fast alle waren bei guter Gesundheit dabei. Bei den wenigen Ausnahmen mangelte es eben an dieser Gesundheit. So hatten wir 28 frohgelaunte Teilnehmer zusammen.

Wir trafen uns vor der Apotheke in St. Magnus zünftig gekleidet und natürlich mit einem Glas am Band versehen. Neben bester Laune und gutem Appetit ein absolutes Muss für unsere Traditionsveranstaltung. Wie immer haben wir dann unsere Gläser auf Dichtigkeit und problemlose Handhabung getestet, der eine oder andere benötigte für die abschließende Beurteilung  einen zweiten Durchgang.

Bei herrlichem Sonnenschein und angemessenen Temperaturen machten wir uns über teilweise stark vereiste Wege durch den Lindenberg zum Lehnhof auf. Hinni hatte Interessantes über die Geschichte der Bebauung zu berichten. Lag es nun an diesen geballten Informationen oder an der übermäßigen Konzentration auf die vereisten Wege, jedenfalls mussten wir unbedingt den mitgeführten Kinderwagen um eine weitere Runde Getränke erleichtern, auch haben wir so einem Achsbruch des betagten Gefährtes vorgebeugt. Seine Majestät verteilte Mettenden an sein Volk, zum Glück sind wir ja kein Karnevalsverein, sonst hätte es nur Kamellen geregnet.

Hinni führte uns weiter zum Holthorster Weg. Meine Besorgnis, wir sollten jetzt schon einmal das Wohnen in Friedehorst begutachten, entpuppte sich zum Glück als unbegründet, denn unser Kohlkönig Thorsten lenkte unsere Schritte entschlossen zur A 270, die wir flugs überquerten und dann einen völlig vereisten Spazierweg zwischen Autobahn und Eisenbahntrasse Richtung Bahnhof St. Magnus einschlugen. Ich wohne jetzt seit 30 Jahren in Bremen-Nord, dieser Weg war für mich völliges Neuland.

Vom Bahnhof ging es weiter zum Hohen Ufer, wo uns auf dem Parkplatz gegenüber Kränholm der Marketenderwagen unseres Kohlkönigs erwartete. Die hochlöbliche Gattin Elke und die holde Tochter seiner Majestät verwöhnten uns müde Wanderer mit Glühwein und belegten Brötchen, damit wir auf unserem langen Weg nicht mut- und kraftlos würden. Das ließen wir Untertanen uns gerne gefallen.

 

 

Kaum kamen wir noch zu einem Verdauungsschnaps, da wurde das Fußvolk auch schon wieder zusammen- und angetrieben, schließlich sollten wir zur rechten Zeit Kohl und Pinkel zu uns nehmen. Noch ein Stück am Hohen Ufer entlang und dann ging es abwärts zur Lesum. Welch ein unübertrefflicher Fluss, wenn auch gänzlich ohne den wundervollen Anblick von Ruderbooten. In herrlichem Sonnenschein gelangten wir zu einer uns wohlbekannten Vereinsgaststätte Am Wasser. Hier wurden wir mit traditionsreicher Kost und auch dem einen oder anderen Bier von unserer Pächterin Frau Müller versorgt.

 

Als es zur Kür des neuen Kohlkönigs kam, zeigte die MAG ihren grenzenlosen Willen zu Innovationen. Ich hatte die große Ehre, als erstes Nichtmitglied der MAG zu königlichen Würden zu gelangen. Unglaube in den Augen unseres bekanntesten Wanderruderers, der mir gegenüber saß, jetzt war offenbar die Schonzeit für die Gäste der MAG Geschichte.

Noch ein kleiner Umtrunk und dann holte Helmut sein Schifferklavier hervor, welches er während unserer Wanderung gut verborgen gehalten hatte. Die Liederbücher wurden verteilt und schon erscholl ein lieblicher Gesang entlang der Lesum. Wie immer verging die Zeit viel zu schnell und ein schöner Ausflug klang aus. Wir freuen uns schon auf unsere nächste Kohlfahrt.

Michael Lachmann; Fotos: Reinhard Pokall