Am 15. Februar war es wieder soweit: Mehr als 30 Fans der VRV-Männerkohlfahrt trafen sich  in Leuchtenburg an der Chaussee; ihnen taten nicht die Beine weh (vergl. Ringelnatz, Gesamtgedichtwerk). Gerufen hatte vielmehr Olaf Kruse-Schilling als noch amtierender Kohlkönig. Nach einem wärmenden Schluck, stilgerecht kredenzt in einem Eierbecher, ging es mit  einem reichhaltig gefüllten Kinderwagen (keine Babys) aus der Anfangszeit des letzten Jahrhunderts an Bruns Garten vorbei Richtung Stundenweg. Nach der Querung der Autobahn wurde links abgebogen. Hier erwartete uns Ruth, unterstützt von einem männlichen Pyromanen zwecks Erhaltung des Feuers unter dem Glühweintopf. Durch einen zünftigen Imbiss wurden die Kräfte für die noch anstehende Reststrecke mobilisiert, so dass nach kurzer Pause wieder aufgebrochen werden konnte. Die Mutmaßungen über das von Olaf erwählte Kohllokal gingen von Kösters Sommergarten über Eggestedt, Schwanewede und Golfclub zu etlichen weiteren  bekannten Ausflugszielen. Am Habichthorster Weg waren auf dem FKK-Gelände noch keine Nacktschnecken zu erblicken. Bei der nassen Kälte hatte diese sich sicherlich in ihre Häuser zurückgezogen. Wir versuchten der Kälte immer wieder mit einem Köm Herr zu werden, was, wie man der Stimmung entnehmen konnte – oder lag der hohe Lärmpegel an unserer unerkannten Altersschwerhörigkeit – , auch recht gut gelang. Bei einsetzendem Schneegrieseln wurden die Gedanken klarer, so dass  unser Ziel vielen vor Augen schwebte: der Eichenhof in Brundorf. Bis dahin erfüllte das dem Kinderwagen etwas stillos hinzugefügte Kabrioverdeck gute Dienste für das Trocken-Halten von Getränken etc. Die Einkehr in den Eichenhof  versetzte uns in die Fünfzigerjahre zurück. Stilgerechtes Mobiliar und Tapeten wurde ergänzt von den heute kaum noch verwendeten 0,2-Liter-Biergläsern: herrlich, immer ein frisches Haake-Beck-Pils vor sich stehen zu haben, das keine Gelegenheit finden konnte, abzustehen! Die anheimelnde Atmosphäre ließ uns das Kohlessen in vollen Zügen genießen, was auch für die Getränke zutraf. Immer wieder erscholl der in eingeweihten VRV-Kreisen  bekannte dänische Trinkspruch: …Pokalen… heveren (?)…, skol! Der Autor muss noch lernen! Die Wahl des neuen Kohlkönigs wurde von unserer Runde einhellig begrüßt: Thorsten Kehlenbeck. Ihm wünschen wir eine erfolgreiche Regentschaft. Helmut sorgte mit seinem Schifferklavier für prächtige Stimmung. Das „Junge,Junge,Junge“ klappte nach Helmuts Lehrstunde beim letztjährigen Nikolausrudern schon viel besser, ganz zu schweigen von unserem perfekt dargebotenen Weihnachtslied vom Tannenbaum. Als die Stimmung am besten war, wurde, wie es immer angeraten wird, aufgebrochen. Der hinter uns liegende Sonntag lässt für die Kohlfahrt 2010 nur Bestes erahnen.

Volker Osthus